Karg-Elert-Jahr 2002 - Orgelpunkt Trier: Orgel- und Chor Musik an Dom und Konstantin - Basilika. Touristische Sehenswürdigkeiten wie z.B. Porta Nigra und Trierer UNESCO Weltkulturerbe. 31.05.2009 11:04:35

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Karg-Elert-Jahr 2002
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Am 21. November 2002 feiern wir die 125. Wiederkehr des Geburtstags von Sigfrid Karg-Elert. 

Karg-Elerts Schaffen umfasst Werke für Orgel, Klavier, Harmonium, Sologesang, Chor, dazu Kammermusiken für die verschiedensten Besetzungen.

"Wie konnte ein solcher Komponist sehr bald nach seinem Tode in Deutschland fast völlig vergessen werden", fragt der Karg-Elert-Wiederentdecker, Prof. Wolfgang Stockmeier, in einer von Volker Hempfling herausgegebenen Festschrift zum 100. Geburtstag 1977.

Dass Antworten auf diese Frage schwierig sind, daran trägt Karg-Elert zu einem grossen Teil selbst Schuld: Er liebt es, über sich selbst Halbwahrheiten zu verbreiten oder unter Pseudonym zu komponieren. Viele Umstände seines Lebens liegen daher noch immer im Dunkeln.

Ein Antwortversuch stammt von dem Karg-Elert-Kenner Johannes Michel: "Beschäftigt man sich näher mit den Werken dieses eigenwilligen Komponisten, der in seiner Zeit immer als Außenseiter galt (sei es wegen seiner Neutönigkeit in der Zeit bis ca. 1920, sei es als Nachzügler der Spätromantik in der Zeit der Orgelbewegung und des musikalischen Umbruchs), mit seinen unkonventionellen Strukturen, seinem Hang zum extremen Virtuosen wie zu subtilen klanglichen Gestalten, so erkennt man eine klare Linie durch ein an Umfang und Vielfalt immenses Lebenswerk...". Seit Ende der zwanziger Jahre jagt eine musikalische Neuerung die nächste, Karg-Elert wird ein Opfer dieser Entwicklungen, die über ihn hinweggingen, während sein Stil ausreifte.

Prof. Stockmeier, der seit Ende der 60er Jahre die Wiederentdeckung Karg-Elerts vorangetrieben hat,  führt einen weiteren Grund an für sein Verschwinden aus den Konzertprogrammen: Zusammen mit dem Harmonium ist leider auch der "Harmoniumspezialist" Karg-Elert zu Unrecht geächtet worden. 

"Erfüllt von nervöser Unrast, von mystischen und phantastischen Geschichten, von glühender Leidenschaft und doch wieder stillbeglückter Versonnenheit; mein inneres Auge ist berauscht von den Wundern auserlesener Farbvorstellungen, meine Wünsche gehen ins unbekannte Traumland, wo die Dinge in seltsamen Lichte stehen und die Konturen sich zitternd verwischen". In der Tat ist Karg-Elerts Stil außerordentlich farbig. Seine Kompositionen erinnern zunehmend an üppig wuchernde Vegetation in einem tropischen Urwald und sind wohl die reinste Verkörperung des Jugendstils. 

In seinem Schaffen "lassen sich Einflüsse erkennen, die sich in ihrer zum Teil sonderbaren Mischung eigentlich auszuschließen scheinen, aber bei ihm in einem durch und durch persönlich geprägten Stil von eindrucksvoller Einheitlichkeit aufgehen, Einflüsse von Grieg, Brahms, Wagner, Skrijabin", schreibt Stockmeier. Was in der Nachfolge von Mendelssohn, Schumann und Grieg begann, erreicht in manchen Spätwerken die Grenze zur Atonalität. 

Die Härte des Lebens lernt Karg-Elert kennen, als er eine Ausbildung zum Volksschullehrer abbricht und sich eine zeitlang als Orchestermusiker und Hilfsarbeiter durchs Leben schlägt. Gönner und Förderer ermöglichen ihm schließlich eine fundierte musikalische Ausbildung am Leipziger Konservatorium, wo er später Nachfolger des 1916 zu früh verstorbenen Max Reger wird.

Auf Anraten von Edward Grieg verlässt Karg-Elert die Pianistenlaufbahn und widmet sich der Komposition. Das "Lebenswerk" ist seine Polaritätslehre, eine Musiktheorie, die auf den Erkenntnissen von Hugo Riemann aufbaut und die er in einem Lehrbuch festgehalten hat und am Leipziger Konservatorium seinen Schülern vermittelt.

Max Reger ist es, der ihn für die Orgel begeistert. Karg-Elert, der ein überschwenglicher Bach-Verehrer gewesen ist, erreicht bei seinen Choralbearbeitungen einen Formenreichtum, der von keinem Komponisten seiner Zeit, Reger eingeschlossen, auch nur annähernd erreicht wird. Albert Schweitzer, einer der berühmtesten Bach-Interpreten seiner Zeit, spielt sogar im Urwald von Lambarene oft aus Karg-Elerts Choralimprovisationen, wie er bei seinem letzten Besuch in Freiburg/Br. gegenüber Karg-Elerts Tochter Katharina Schwaab bemerkt.

Das Wesen Karg-Elerts zeigt einen stark entwickelten Sinn für Humor, Spott und Schalkhaftigkeit. "Eine Gelegenheit zu einem trefflichen, geistreichen Witz ließ er sich nie entgehen... Wer mit meinem Vater bekannt wurde, bekam entweder nie und überhaupt keinen Kontakt mit ihm oder wurde über den Tod hinaus sein treuer Freund und Verehrer", so Katharina Schwaab. 

Wohl litt Karg-Elert unter einer explosiven Natur, die er auf die Verschiedenheit seiner Elternteile zurückführte: Der katholische Vater, ein unsteter Feuergeist, ewig suchend (alle 12 Geschwister haben unterschiedliche Geburtsorte), und die zurückhaltende evangelische Mutter, geprägt von großer Frömmigkeit und lebenslanger, harter Arbeit. Diese Dickköpfigkeit steht dem Erfolg Karg-Elerts oftmals im Wege. Bei Rundfunkaufnahmen, für die Karg-Elert ab 1924 mehrere Jahre sonntags morgens Harmonium spielt, beweist Karg-Elert einen erheblichen Starrsinn. Es muss eigens eine Sendeanlage im Haus von Karg-Elert installiert werden, da dieser notorisch zu spät im Aufnahmesaal erscheint und sich zudem weigert, sein Harmonium aus dem Haus zu geben. 

Ein Lebensziel geht indes nicht in Erfüllung. Dr. Walter Kwasnik schreibt in seiner Karg-Elert-Monografie: Der Wunsch, "an einer Kirche in Leipzig als Organist wirken zu können, ging trotz fünfmaliger Bewerbung (darunter auch an einer Vorstadtkirche, der Heilandskirche) nicht in Erfüllung. Seine avantgardistische Musikanschauung, das Virtuosentum und die geringe Neigung zur Unterordnung dürften die ausschlagebenden Gründe für die Ablehnung gewesen sein."

Karg-Elert stirbt am 9. April 1933 und wird auf dem Leipziger Südfriedhof beigesetzt.

LEBENSDATEN 

  • 21. November 1877: Sigfrid Karg-Elert wird in Oberndorf am Neckar geboren 
  • 1883: Die Familie übersiedelt nach Leipzig 
  • 1888: Aufnahme in den Knabenchor der Leipziger Johanniskirche 
  • 1893: Abbruch der Ausbildung zum Volksschullehrer; Karg-Elert beschäftigt sich als Tanz- und Orchestermusiker sowie als Hilfsarbeiter 
  • 1896 Karg-Elert kehrt nach Leipzig zurück, Reznicek ermöglicht ihm ein Freistudium am Leipziger Konservatorium; Teilnahme in der Meisterklasse für Klavier von Robert Teichmüller
  • 1902: Berufung an das Konservatorium in Magdeburg als Lehrer der Meisterklasse für Klavier 
  • 1904: Karg-Elert erleidet einen seelischen Zusammenbruch; Rückkehr nach Leipzig; intensive Beschäftigung mit dem Kunstharmonium.

  • Auf Anraten von Edward Grieg schwenkt Karg-Elert von der Pianisten- zur Komponistenlaufbahn um; intensive kompositorische Tätigkeit 
  • 1907: Max Reger ermutigt Karg-Elert, auch für die Orgel zu komponieren; in Leipzig entstehen die 66 Choralimprovisationen 
  • 1910: Heirat mit Minna Louise Kretschmar, Tochter des Kgl. Sächs. Musikdirektors
  • 1914: Geburt der Tochter Katharina

  • Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Universität Edinburgh (die Urkunde erreicht Karg-Elert nie); Karg-Elert wird Kriegsfreiwiliger
  • 1916: Nach dem Tod von Max Reger wird Karg-Elert dessen Nachfolger als Lehrer für Komposition und Theorie am Leipziger "Kon"
  • 1921: Karg-Elert nimmt als Spieler am Karg-Elert-Fest in seiner Geburtsstadt Oberndorf teil
  • 1927: Karg-Elert wird Senatsmitglied am Leipziger Konservatorium
  • 1930: Teilnahme an einem viertägigen Karg-Elert-Festival in London
  • 1932: Amerikatournee über 4 Monate, bereits erkrankt spielt Karg-Elert, begleitet von seiner Tochter,  20 Konzerte; Karg-Elert erhält das Angebot, in Pittsburgh Professor für Orgel zu werden.

  • Verleihung des Professorentitels in Leipzig
  • 1933: Karg-Elert stirbt am 9. April und wird auf dem Leipziger Südfriedhof beigesetzt
Literatur: 
- Festschrift zum 100. Geburtstag von Karg-Elert, Herausgeber: Volker Hempfling
- Begleitheft zu den CDs "Sigfrid Karg-Elert, Orgelwerke Vol. 1 bis 4" von Wolfgang Stockmeier
- Karg-Elert Monografie von Dr. Walter Kwasnik, Nister.

Hauptwerke für Orgel: 

       Kathedralfenster op. 106
       Sinfonische Kanzone c-moll op. 85 Nr. 2 
       Sinfonischer Choral "Jesu, meine Freude" op. 87 Nr. 2 
       Triptych op. 141
       Choral-Improvisationen op. 65
       Hommage to Handel
       Sinfonie fis-Moll op. 143

Die wichtigsten Orgelwerke von Sigfrid Karg-Elert sind z.B. bei cpo auf 6 CD's
eingespielt, Interpret ist Prof. Dr. Wolfgang Stockmeier. 

Zum 125. Geburtstag von Karg-Elert stellen wir hier die Termine zusammen, an
denen seine Werke gespielt werden (dies sind nicht in allen Fällen Konzerte).

Weitere Termine bitte an webmaster@trierer-orgelpunkt.de
 

  • 14. Juli, 15.00 Uhr, Abteikirche Himmerod, Jörg Strodthoff spielt u.a. Chaconne, Fugentrilogie und Choral op. 73
  • 7. September, 11:30 Uhr, Trierer Dom Domorganist Josef Still, Trier

    Werke von Sigfrid Karg-Elert (1877-1933; 125. Geburtstag 2002) - Nun danket alle Gott - Werde munter, mein Gemüte aus: "Choral-Improvisationen" op. 65

    Symphonischer Choral "Ach bleib mit deiner Gnade" op. 87 Nr. 1 "Aus dem Scherzo der VII. Symphonie" Bearbeitung von Sigfrid Karg-Elert (aus: "Episoden aus Bruckners Symphonien") - Schmücke dich, o liebe Seele - Ein feste Burg ist unser Gott (Phantasie) aus: "Choral-Improvisationen" op. 65

  • KONZERT FÄLLT AUS: 21. November 2002, Herz Jesu
    Chor- und Orgelwerke am 125. Karg-Elert-Geburtstag  

E. Jakob



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