Trierer Orgeln, erbaut 1900-1945, Teil 6 - Orgelpunkt Trier: Orgel - und Chor - Musik an Dom und weiteren Trierer Kirchen. Touristische Sehenswürdigkeiten wie z.B. Porta Nigra und Trierer UNESCO Weltkulturerbe. 09.03.2011 19:53:47

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Trierer Orgeln, erbaut 1900-1945, Teil 6

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St. Martin, St. Bonifatius (Kürenz), St. Paulin

Einen der bedeutendsten Trierer Orgelneubauten zwischen den beiden Weltkriegen darf sicherlich die Pfarrei St. Martin für sich verbuchen, deren Kirche nach dem Vorbild einer frühchristlichen Säulenbasilika in den Jahren 1912 bis 1915 erbaut wurde. Schon in der Kostenaufstellung für den Kirchenneubau durch die Trierer Architekten Marx & Gracher ist unter der Position 107 ein “Zuschuss für die später zu beschaffende Orgel” in Höhe von 10.000 Mark aufgeführt. Doch wie aus einem Schreiben von Pastor Raber an das Generalvikariat vom 17. Februar 1931 hervor geht, hatte die Pfarrei zunächst nur eine Leihorgel: “Seit dem Jahre 1915 ist in unserer Kirche eine von der Firma Klais gemietete Orgel in Benutzung. Der Kirchenvorstand beabsichtigt die Anschaffung einer neuen, eigenen Orgel nach der Disposition und dem Kostenanschlag der genannten Firma vom 13.2. ds Js mit einem Kostenbedarf von 26000 M.” Diesem Brief, dem laut Anlage Disposition und Kostenrechnung sowie Prospekt-Zeichnung beigefügt waren, ist weiterhin zu entnehmen, daß zu diesem Zeitpunkt bereits 21000 Mark aus Sammlungen des Bauvereins sowie dem Ausstattungsfond bereitstanden. Sechs Tage später wird das Orgelvorhaben vom Generalvikariat genehmigt. Zuvor hatte schon der Kirchenvorstand in seiner Sitzung vom 20. Februar 1931den Neubau der Orgel beschlossen. Das Sitzungsprotokoll schließt wie folgt: “...Die Bezahlung an die Lieferfirma geschieht in 3 Raten: 1.) 8000 M am 1. April 1931, 2.) 8000 M am Tage nach der offiziellen Abnahme der Orgel, 3.) Rest am 1. Januar 1932”. Dieses Instrument aus der Bonner Werkstatt Johannes Klais hat nicht nur den Krieg, sondern auch sämtliche Ideologien, die im Orgelbau der Nachkriegzeit ihr zum Teil verheerendes Unwesen trieben, bis auf den heutigen Tag unbeschadet überstanden und stellt somit ein historisches Dokument von besonderem Wert dar. Schon Pfarrer Heinrich wußte im Meldebogen vom 16. Juni 1944 von der besonderen Qualität dieser Orgel zu berichten. Er schreibt: “Die Orgel, die auch mehrmals zu Kirchenkonzerten benutzt wurde, ist nach dem Urteil von Fachleuten ein hervorragendes Werk heutiger Orgelbaukunst, die beste Orgel von Trier, auf der, wie auf keiner anderen, die Kompositionen der grossen Meister zur Darstellung kommen können.” Seine Wurzeln hat dieses Werk trotz erkennbar “orgelbewegter” Register nach wie vor in der klanglichen Ästhetik des deutsch-romantischen Orgelbaus. Doch auch französische Einflüsse sind zu verzeichnen, so das Bombardwerk, das typisch für viele der größeren Klais-Orgeln der 30er Jahre (erhalten sind u.a. noch Siegburg St. Servatius, Ludwigshafen Herz Jesu) im Gegensatz etwa zu den großen Instrumenten eines Cavaillé-Coll kein eigenes Manual hat, jedoch an jedes der vorhandenen Manuale bzw. ans Pedal angekoppelt werden kann. Hermann J. Busch schreibt zur Klanggestalt dieser Orgeln: “Auch die Instrumente von Johannes Klais aus der Zeit zwischen den Weltkriegen sind inzwischen “historische” Orgeln geworden. Sie gehören einer abgeschlossenen Stilepoche an und stellen, so betrachtet, den durchaus geglückten Versuch einer eigenständigen Synthese aus Elementen der spätromantisch-orchestralen, französisch-symphonischen und neobarocken Orgel dar.” Äußerlich präsentiert sich die Orgel der Martinskirche mit einem sogenannten offenen Prospekt. Fischer und Wohnhaas schreiben dazu: “Es genügt ... , auf die speziell von Klais entworfenen sogenannten offenen Prospekte in ... Trier (St. Martin) ... hinzuweisen, die alle zwischen 1928 und 1934 entstandenen sind und jeweils gewissermaßen aus mehreren hintereinander gestaffelten Prospekten bestehen, aber so, daß kein Modell dem anderen gleicht.” In den Jahren 1997 und 1998 wurde die Orgel einer Generalsanierung unterzogen. Bei diesen Arbeiten durch die Firma Vleugels wurde das Werk auch neu intoniert. 

Die ehemalige, zu St. Paulin gehörende Filiale Kürenz, die am 1. November 1933 zur Kapellengemeinde St. Bonifatius erhoben worden war, erhielt laut Meldebogen für ihre in den Jahren 1932-33 neuerbaute Kirche ein kleines zweimanualiges Instrument mit acht Registern, das im Verhältnis zur Größe der Kirche wohl zunächst als Interimsorgel gedacht war. Denn wie aus den Pfarrakten zu ersehen ist, “behandelte der Vorsitzende” in der Jahreshauptversammlung des Kirchenbauvereins am 10. Mai 1936 unter Punkt 6 weiterhin “die Orgelfrage” . 

Zu dem in St. Paulin durchgeführten Umbau schreibt Matthias Thömmes folgendes: “1934 fand dann ein entscheidender Eingriff durch die Orgelbaufirma Klais statt. Sie baute ein drittes Manual als Schwellwerk ein, elektrifizierte die Traktur und ersetzte den alten Spieltisch durch einen neuen, dreimanualigen mit elektrischer Einrichtung. Seitdem haben I. und III. Manual elektrische Schleifladen, das II. mit dem Schwellwerk Kegelladen. Durch die Herausnahme einiger Register und den Einbau von 23 neuen Stimmen sowie zwei freier Kombinationen war die Orgel nun wesentlich größer und moderner geworden.” Unverändert erhalten blieb dabei jedoch das prachtvolle Gehäuse, für das Romanus Nollet in den Jahren 1747 bis 1756 ein erstes Orgelwerk lieferte. Der nach Angaben von Balthasar Neumann ausgeführte Entwurf dieses bis heute erhaltenen Gehäuses stammt von Johannes Seiz. Erhalten blieb beim Umbau 1934 aber auch ein Großteil des Pfeifenmaterials sowie die Windladen von Hauptwerk und Echo der Orgel, die Breidenfeld 1858/59 in das Nollet-Gehäuse eingebaut hatte. Wurde bei den Arbeiten im Jahre 1991 erneut von der Firma Klais ausgeführt die Umbauten von 1934 im Hinblick auf die Rekonstruktion der Breidenfeld-Orgel von 1858 zum Teil auch wieder rückgängig gemacht, so sollte man dennoch nicht übersehen, daß vom damaligen Zeitverständnis her auch der 1934er Eingriff zunächst mit dem Ziel der Restaurierung einer historisch wertvollen Orgel erfolgte. Klais berief sich in den 30er Jahren bei derartigen Arbeiten auf Oskar Eberstaller, einer damals führenden Persönlichkeit auf dem Gebiet der Orgelforschung und Orgeldenkmalpflege. Nach Eberstallers Vorstellung sollte man “das Gute des alten Werkes retten und doch die Vorzüge einer modernen Orgel erreichen”. Ähnlich sah es auch die Tagung für Orgelbau im Jahre 1928 in Berlin. Hier erklärten die deutschen Orgelbauer einstimmig, daß die Wiedereinführung der mechanischen Traktur orgelbautechnisch, liturgisch und künstlerisch ein Rückschritt sei. Hermann J. Busch dazu : “Hans Klais hat bei seinen Restaurierungen zwischen 1930 und 1950 im Sinne Eberstallers vorhandene Schleifladen in den Manualen unter Ergänzung auf den üblichen Umfang mit elektrischer Traktur versehen. Dispositionsretuschen sind hier meist nur vorsichtig erfolgt, am häufigsten fand der Austausch von Zungenregistern statt. Im Pedal waren Dispositionen und Umfänge nach damaligen Begriffen so unzulänglich, daß stets neue Kegelladen mit der Möglichkeit zu Extension und Transmission gebaut wurden. In der Regel wurden die Instrumente zudem um ein ganz neues Schwellwerk erweitert.” Als wichtigeste der in diesem Sinne geretteten Barockorgeln führt Busch dann neben den Orgeln von Mainz St. Peter, Steinfeld Klosterkirche und Oberwesel Liebfrauen auch die Orgel von St. Paulin auf, wobei er als Erbauer noch Nollet angibt. Sieht man sich dann die 1991 durchgeführten Arbeiten an, so finden diese Zeilen durchaus ihre Bestätigung. Weil man wohl auch schon 1934 die Qualität der Schleifladen von Echo und Hauptwerk erkannt hatte, elektrifizierte man “lediglich” die Traktur. Ebenso behielt man den Großteil des Pfeifenmaterials von 1858 bei, auf den man so bei der 1991er Restaurierung erneut zurückgreifen konnte. Lediglich die 1934 neugefertigte Kegellade für das Pedal wurde beim jüngsten Umbau durch eine mechanische Schleiflade mit überwiegend neuen Registern ersetzt. Im Kern hat man so nun wieder die alte zweimanualige Breidenfeld-Orgel mit ihren mechanischen Schleifladen und dem mittig eingebautem Spieltisch im Untergehäuse. Doch aufgrund seiner Qualität aber hat man auch das 1934 hinzugefügte Schwellwerk mit seiner elektrischen Kegellade nicht aufgegeben. Es ist heute spielbar vom dritten Manual, dessen Klaviatur als Vermittlung zum mechanischen Teil der Orgel hin mit künstlichem Druckpunkt ausgestattet ist.

Wolfgang Valerius



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